Mutter Maria Theresia Hecht
Mutter Maria Theresia Hecht wurde am 23. November 1887 als Anna Hecht in München geboren. Sie wuchs in einer gut katholischen Familie auf und erhielt dort eine solide christliche Erziehung, die ihr weiteres Leben prägen sollte.

Durch ihre Berufsausbildung und eine mehrjährige Tätigkeit als Privatsekretärin in einem Münchener Rechtsanwaltsbüro erwarb sie sich fundierte Kenntnisse in wirtschaftlichen und rechtlichen Fragen.
Dieses Wissen, ihre gute Menschenkenntnis und ihr festes, unerschütterliches Gott­­vertrauen bildeten die Grundlage für ihr späteres Lebens­werk.
Schon früh fühlte sich Anna Hecht zu Gott hingezogen und ihrem Glauben verpflichtet. Die tägliche Teilnahme am heiligen Messopfer war für sie als glühende Verehrerin der unbefleckt empfangenen Gottesmutter Maria selbstver­ständlich.

In jungen Jahren wurde sie Mitglied der Marianischen Jungfrauen­kongregation. 1910 trat sie im Alter von 23 Jahren dem Dritten Orden des Hl. Franziskus bei und war 16 Jahre lang Mitglied der Töchter des Hl. Franz von Sales für Weltleute. Eine besondere Liebe verband sie mit der Hl. Theresa von Avila, deren Namen sie später annahm, und auch mit dem Hl. Josef, den sie als ihren ganz besonderen Schutz­patron erwählte.

 

 

Die Weichen für ihr späteres Leben wurden gelegt, als ihr Berater und geistlicher Führer Pater Columban ihr den Kontakt zu Pater Rochus vermittelte.
Pater Rochus wollte eine Schwesterngemeinschaft gründen und kaufte 1927 durch eine Mittelsperson Schloss Branden­burg.
Zur Tilgung der hohen Schulden eröffnete er dort ein Er­holungs­heim mit Wirtschaftsbetrieb. Da es jedoch an einer qualifizierten Führung fehlte, schien das Projekt zu scheitern und das Haus stand kurz vor dem Konkurs.

In dieser fast aussichtslosen Situation bat Pater Columban Anna Hecht nach Brandenburg zu gehen, um die Geschäfts­bücher in Ordnung zu bringen.
Anna Hecht, die gerade einen beruflichen Wechsel beabsichtigte, änderte auf diese Anfrage hin ihre Pläne. Sie vertraute sich ganz der Vorsehung und dem Willen Gottes an und fuhr nach Brandenburg - zunächst allerdings nur, um die bedrohliche finanzielle Situation zu ordnen. Dabei blieb es aber nicht.

Pater Rochus informierte sie über seinen Plan, hier eine Schwesterngemeinschaft zu Ehren der unbefleckt em­pfangenen Gottesmutter Maria zu gründen. Einige junge Frauen, von deren religiösem Streben er wusste und die zu einer Klostergründung bereit waren, waren bereits unter seinem Einfluss nach Brandenburg gekommen.
Nach vielen Hürden, Schwierigkeiten und Enttäuschungen schlossen sich die Frauen am 1. Juni 1929 zu einer Gemeinschaft zusammen und wählten Anna Hecht zu ihrer ersten Oberin. Als Namenspatronin wählte sie die Hl. Theresia von Avila und hieß fortan 'Mutter Maria Theresia Hecht'.
Aufgrund der übernommenen schweren Schuldenlast litten die Schwestern jahrelang unter Armut, Not, Entbehrungen und Unsicherheit.
Ihr Überleben sicherten sie mit der Einrichtung eines Erholungs­heimes und einer Gaststätte. Aber schon früh öffneten sie ihr Haus auch für Exerzitien.

Mutter Maria Theresia Hecht und ihre Schwestern scheuten vor keiner Arbeit zurück und waren trotz der großen Not immer bereit, das Wenige noch mit den Bedürftigen zu teilen.
Die finanziellen Schwierigkeiten schienen jedoch so unüber­windlich, dass die kirchliche Anerkennung der Kongregation immer wieder zurückgestellt wurde.
In den folgenden Jahren stellte sich heraus, dass die Schwestern mit Gottes Hilfe die richtige Entscheidung getroffen hatten, als sie Anna Hecht - jetzt Mutter Maria Theresia - zu ihrer Oberin wählten.
Durch ihre Berufserfahrung verfügte sie über die fachliche Kompetenz, die weltlichen Dinge, vor allem die finanziellen Probleme, richtig anzugehen. Wesentlich für den sich lang­sam einstellenden Erfolg waren ihr Mut, ihre Ausdauer und ihre auf unerschütterlichem Gottvertrauen basierende Risikobereitschaft, aber auch ihre große Opferbereitschaft, verbunden mit einem tief verwurzelten Glauben, aus dem sie auch in verzweifelten Situationen immer wieder neue Kraft schöpfte.

Mit diesen Eigenschaften und Gottes Hilfe gelang es Mutter Maria Theresia Hecht allmählich, die verworrenen wirtschaftlichen Verhältnisse des Unternehmens Branden­burg zu ordnen.
In den Jahren großer Entbehrungen scheuten sich die Schwestern, allen voran Mutter Maria Theresia, nicht, für ihr Ziel auf Bettelreisen durch die Umgebung zu ziehen.
Bei den in der Chronik festgehaltenen Aktivitäten trafen die Frauen bei der Bevölkerung auf viel Skepsis und Ablehnung, aber auch immer wieder auf wohlwollende und großzügige Menschen.

Es sind viele Anekdoten festgehalten, die berichten, dass Mutter Maria Theresia nicht nur unermüdlich jede Gelegenheit wahrnahm, sondern auch durch ihre Menschenkenntnis, ihre Klugheit und ihr offenes und fröhliches Wesen zunächst abweisende Menschen doch noch zu einer guten Tat bewegen konnte. So gewann die kleine Gemeinschaft im Laufe der Zeit immer mehr  Vertrauen und Anerkennung von weiten Kreisen der Bevölkerung.
Langsam wurde die Schwesterngemeinschaft größer und wirkte nicht nur im Exerzitienhaus am Gründungsort Brandenburg, sondern auch in Heimenkirch und in Zußdorf.

In Heimenkirch wurde 1933 ein Schülererholungsheim ein­gerichtet, das in den darauf folgenden Kriegszeiten als Lazarett genutzt und nach Ende des Krieges aufgelöst wurde.

In Zußdorf wurde ab 1935 ein Haus betrieben, welches in der Folge als Krankenhaus, Exerzitienhaus, Müttererholungsstätte und als Heilstätte für Tbc-kranke Männer und Kinder diente.
Die Arbeit der Schwestern trug erste Früchte, da begannen mit der Herrschaft des Hitlerregimes neue, ganz andere Probleme: Das apostolische Werk war nun durch den Nationalsozialis­mus und seine Ideen gefährdet.
Wieder waren es der auf grenzenlosem Gottvertrauen basie­rende Mut von Mutter Maria Theresia Hecht und ihr geschicktes Agieren und Verhandeln, die das Weiterführen ihrer Arbeit ermöglichte.

Mutter Maria Theresia stellte die geistliche Leitung der Gemeinschaft unter die Devise:
„Kursrichtung - der heilige Wille Gottes!“

Gegenüber allen Maßstäben der Welt betonte sie:
„Wir haben es mit Gott zu tun! - Habt allezeit Ehrfurcht vor Gott!“

In dieser Zeit kamen auch die Menschen der Um­gebung in ihren Nöten oft zu den Schwestern und vertrauten sich ihren Gebeten an.
Nach Kriegsende erweiterten die Schwestern unter Leitung von Mutter Maria Theresia ihr Engagement in vielfältiger Weise.

Das Haus in Zußdorf wurde 1958 in ein Heim für geistig behinderte Kinder und Jugendliche mit Schule um­ge­wandelt.

In Haslach wurden 1950 ein Heim und eine Schule für geistig behinderte Kinder und Jugendliche gegründet. In den 70er Jahren wurde beschlossen, die Einrichtung auf erwachsene Menschen mit geistiger Behinderung umzustellen. 1988 endete die letzte Schulklasse.

Ein Heim und eine Hilfsschule für Flüchtlingskinder, das sich 1946-1956 in Gutenzell befand, übersiedelte 1956 nach Heudorf am Bussen. Dort befindet sich eine Heimschule für lernbehinderte Kinder und Jugendliche, seit 1982 Haupt­schule und Sonder­berufsschule.
In der Karwoche 1948 erblindete Mutter Maria Theresia, die seit längerer Zeit an einer Augen­krankheit litt, völlig.
Dieses Leiden und die sich daraus ergebenden körperlichen Schmerzen und Gebrechen ertrug sie mit großer Geduld und Opferbereitschaft, wobei sie sich ihr herzliches Wesen, ihre franziskanische Fröhlichkeit und ihren tiefen Glauben immer bewahrte.

Trotz ihrer Erblindung leitete sie die Kongregation mit Umsicht, Energie und Tatkraft.
Ihr Lieblingsgebet „Herr Du weißt warum und ich weiß, dass Du gut bist und das genügt mir“, zeugt von ihrem großen Glauben an die Vaterliebe Gottes.

Im Jahre 1961 durfte Maria Theresia Hecht im Alter von 73 Jahren die Anerkennung der Schwesterngemeinschaft als Kongregation bischöflichen Rechts erleben.  Sie hatte es geschafft, das einst so aussichtslose Projekt Brandenburg auf eine solide Basis zu stellen.
Neben den organisatorischen Dingen hatte sie in den letzten Jahren aber auch intensiv darauf hin gewirkt, die Schwestern geistig und religiös weiterzubilden.
Nachdem noch wenige Jahre zuvor selbst Gutgesinnte nicht an ein Weiterbestehen der Gemeinschaft geglaubt hatten, sprach man nun mit Hochachtung von den betenden und opfernden Schwestern in Brandenburg.

Die Schwesternschaft wurde am 12. August 1961 durch Bischof Dr. Karl Joseph Leiprecht unter dem Titel „Kongregation der Immakulataschwestern vom Seraphischen Apostolat vom Dritten Orden des heiligen Franziskus“ als Diözesankongregation anerkannt.
Die letzten Lebensjahre von Mutter Maria Theresia Hecht waren, trotz großer Schmerzen, überstrahlt von einer echt franzis­kanischen Fröhlichkeit.
Trotz immer wiederkehrender Schwächezustände nahm sie fast bis zu ihrem Tod regen Anteil am Geschehen im Mutterhaus und in den sozialen Einrichtungen.
Aber sie wollte auch bis zuletzt den Schwestern Freude machen, wo immer es ging. Oft erzählte sie ihnen lustige Erlebnisse aus ihrem Leben und aus den Anfangsjahren im Kloster.

Am 4. Juni 1977 durfte Mutter Maria Theresia heimgehen zu Gott.
An ihrem Sterbelager feierte ein Priester das heilige Messopfer, das sie ihr ganzes Leben lang so hoch geschätzt hatte.
Mutter Maria Theresia wurde am 8. Juni 1977 in der Gruft des Mutterhauses beigesetzt.
Vor dem Hintergrund ihres großen Lebenswerkes ist es nicht übertrieben, von der ehrwürdigen Mutter Maria Theresia als einer großen Persönlichkeit zu sprechen, die ihr ganzes Leben Gott widmete – zum Wohle der Menschen.

Ihre christliche Persönlichkeit zeichnete sich wesentlich durch folgende Merkmale aus:
  • Sie war eine tiefgläubige Frau und große Beterin.
  • Aus der täglichen Kommunion schöpfte sie Kraft und Hoffnung, auf dem eingeschlagenen Weg durchzuhalten.  
  • Sie suchte im Alltag den Willen Gottes zu erkennen und danach zu handeln. 
  • Ihre Leidensbereitschaft war so ausgeprägt, dass wir für ihr erfülltes Leben feststellen dürfen: „Leiden und Kreuz, im Glauben angenommen, werden zum Mitleiden mit Christus für die vielen“ (aus einer Trauerrede). 

 

Wir danken Gott für ihr Leben und ihr Wirken unter uns und wissen uns ihrem Vorbild in Treue verpflichtet.