Die Entstehung des Klosters Brandenburg
Predigt vom Geistlichen Beirat der Immakulataschwestern P. Dr. Bernhard Eisele SDS beim Festgottesdienst zum 75-jährigen Bestehen der Gemeinschaft am 12.09.2004:
Heute, am Fest Mariä Namen, feiern wir das 75-jährige Bestehen der Kongregation der Immakulataschwestern vom Seraphischen Apostolat.
Da danken wir der Gottesmutter mit der ganzen Kirche für all ihren Schutz bei so großen Gefahren, und wir danken Gott und der Jungfrau Maria für das gesegnete und segensreiche Werk „Kloster Brandenburg.“ Dabei schließen wir uns der dankbaren Freude aller Immakulataschwestern an, derer die in größter Treue und Hingabe dieses Werk begonnen und aufgebaut haben und derer, die es im Geist der Gründerin weitergeführt haben und auch heute noch weiterführen.

Kurzfassung der Geschichte vom Kloster Brandenburg mit Auszügen aus der Chronik

Wie die meisten Werke Gottes, ist auch das Kloster Brandenburg aus ganz kleinen Anfängen zu einem beachtlichen Baum herangewachsen.
Denn am Anfang stand nur der Franziskanerpater Rochus Schamoni. Er hatte früh das Gelübde abgelegt, zu Ehren der Unbefleckten Empfängnis ein Frauenkloster zu gründen. Er veranlasste dann 1927 den Kauf des Schlosses Brandenburg — allerdings ohne Eigenmittel und mit Schulden.

Er legte auch am 1. Juni 1929 den Grundstein der Ordensgemeinschaft, indem er die 7 Frauen der damaligen Hausgemeinschaft eine Oberin wählen ließ.
Gewählt wurde Anna Hecht mit dem Ordensnamen „Maria Theresia.“ Kurz darauf verließen 3 Frauen die Gemeinschaft. So lag die ganze Verantwortung und Schuldenlast auf der 44-jährigen Oberin und den Schwestern Agnes, Klara und Antonie. Die gebürtige Münchnerin wusste sehr genau, welche Last auf sie zukam. Aber sie war als Mitglied der Marianischen Kongregation und des 3. Ordens des Hl. Franziskus und der Töchter des Hl. Franz von Sales durch ein intensives religiöses Leben und durch ihre Stellung in einem Münchner Rechtsanwaltbüro, bestens vorbereitet. Im Vertrauen auf Gottes Hilfe übernahm sie diese Aufgabe, wohl wissend, dass sie jährlich 5.000 Mark für Zinsen und ebensoviel für Instandhaltungsarbeiten aufzubringen hatte.

Am 31. Mai 1933 legten sie mit Erlaubnis des Bischofs ihre Ordensgelübde ab und nannten sich „Immakulataschwestern vom Seraphischen Apostolat.“ Denn wie Maria, wollten sie stets auf Gottes Anruf antworten: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn“ und nach dem Beispiel des liebe-glühenden seraphischen Heiligen Franz von Assisi, wollten sie den Ärmsten der Armen in herzlicher Liebe dienen und nahmen die Tracht an, welche auch heute noch getragen wird. Ihr Apostolat bestand darin, dass sie in den umliegenden Dörfern Teilnehmer für die Exerzitien im Schloss warben und im Sommer Ferienkinder betreuten.

Ihre Armut und Schuldenlast zwangen die Schwestern auch zum Betteln, und Mutter Theresia ging mit Sr. Klara mit gutem Beispiel voran und sie tat dies mit Humor und einer Schlitzohrigkeit, über die sicher auch der Himmel schmunzelte:
Die Frau eines geizigen Bauern hatte ihnen erlaubt, einen Heuwagen mit Brennholz zu beladen. Als aber der Bauer kam, wollte er die Erlaubnis seiner Frau zurücknehmen. Da sagte Mutter Theresia: „Wir wollen Ihnen doch nur helfen, damit für Sie nicht soviel Brennholz fürs Fegfeuer übrig bleibt.“ Da musste der Bauer lachen und ließ die Schwestern weiter aufladen, bis er „Halt“ sage. Aber Mutter Theresia verwickelte ihn so in ein Gespräch über Politik, wobei er mit dem Rücken zum Holzstoß stand, dass er erst wieder an das Holz dachte, als der Wagen voll war. Da machte er gute Miene zum bösen Spiel, schenkte ihnen noch 2 Zentner Kartoffel und fuhr alles selbst nach Brandenburg.

Noch 1933 wurde die 1. Filiale in Heimenkirch eröffnet. 5 der inzwischen 9 Mitglieder zählenden Schwesterngemeinschaft übernahmen das dortige Kinderheim, das während des Krieges als Reservelazarett diente. 1935 kam das Kinderheim St. Johann in Zußdorf und die Sonderschule St. Christoph für geistig- und körperbehinderte Kinder hinzu. Die beiden Gründungsschwestern Michaela und Konrada hatten einen schweren Anfang. Nur 1 Zimmer war bewohnbar, kochen konnten sie nicht, da es keinen Herd gab, und das Dach war so undicht, dass bei Regen alle verfügbaren Eimer und Wannen auf den Speicher geschafft werden mussten, damit nicht das ganze Haus nass wurde. Aber die Leute hatten Mitleid und halfen, so dass das Leben für die Schwestern bald erträglicher wurde, wenn auch die Not noch lange blieb.

Schlimmer als die Armut war das erstarkende Naziregime. Aber durch Gebet, Mut und Schlagfertigkeit konnte Mutter Theresia die Enteignung der Häuser verhindern. Auch hier gab es manches zum Schmunzeln. Um im Wahllokal (wohl 1938) nicht die Hand zum „deutschen Gruß“ heben zu müssen, füllte M. Theresia zwei Koffer mit Holzwolle und ging mit diesen in das Wahllokal.

Ein anderes Mal wurde sie gefragt, warum sie nicht den Hitlergruß erwidere. Sie antwortete: „Es heißt doch, die besten Parteifreunde seien gute Steuerzahler. Ich zahle immer ganz pünktlich meine Steuern, also bin ich der beste Parteifreund.“ Als einer der Herren ihr sagte: “Das stimmt, das weiß ich“, bekam M. Theresia Mut und sagte: „Ich weiß aus ganz sicherer Quelle, dass der Ortsgruppenleiter keine Steuern bezahlt, dafür aber den ganzen Tag „Heil Hitler“ und „Hurra“ ruft.“ Auch das mussten die Herren zugeben. Aber es ging nicht immer so glimpflich ab. 3x, steht in der Klosterchronik, wurde sie beim „Deutschen Volksgericht“ angezeigt und einmal musste sie 2.700 Mark Strafe zahlen, weil in der Lebensregel der Schwestern nur von der Ehre Gottes, nicht von der Ehre des Führers die Rede war.

Gegen Kriegsende fiel gleich nebenan eine Bombe in das Grundstück des Nachbarn und riss einen Riesenkrater, aber das Kloster nahm keinen Schaden, dank dem Schutz des Hl. Michael, den M. Theresia vertrauensvoll anrief. Auch den Umsturz und Einmarsch der alliierten Truppen überstanden sie ohne Schaden, auch wenn das Gottvertrauen der Gründerin mehr als einmal gefragt war, damit alle etwas zu essen bekamen.


Von 1946 an ging es wieder besser. Es konnten wieder Exerzitien gehalten und Kandidatinnen aufgenommen werden. 1946 noch wurde in Gutenzell eine Hilfsschule für Flüchtlingskinder eröffnet, 1950 St. Konrad in Haslach gegründet, für geistig behinderte Erwachsene mit Werkstätten und angegliedertem Förder-und Betreuungsbereich. 1956 wurde die Einrichtung von Gutenzell nach St. Josef in Heudorf verlegt und die Edith-Stein-Schule eröffnet als Einrichtung der Kinder-und Jugendhilfe für Jungen und Mädchen ab dem Vorschulalter, die Schwierigkeiten haben mit dem Lernen und der sozialen Integration. Der Aufbau dieser Filiale forderte ebenfalls große Opfer. 1994 entstand schließlich das Seniorenpflegeheim St. Maria.


So dürfen die Immakulataschwestern mit dankbarer Freude auf die 75 Jahre Kloster Brandenburg zurückblicken und es ist ihnen, aber auch uns, jedem nach seinem Stand aufgegeben, nach dem Geist der Gründerin zu leben.

Eine ganze Reihe Worte von Mutter Maria Theresia Hecht verdeutlichen ihren lebendigen und demütigen Glauben:

  •     Suchen nach Gottes Willen
  •     Hinter allem Geschehen steht Gott
  •     Kursrichtung: Der Wille Gottes
  •     Wir haben es mit Gott zu tun
  •     Habt allezeit Ehrfurcht vor Gott
  •     Alles für Gott tun
  •     Alles mit den Augen Gottes betrachten

Das bedeutet: Einfach glauben und vertrauen, dass wir in Gottes Hand sind, dass Er jeden unendlich liebt und nur unser Bestes will und dass Er deshalb alles, was einen betrifft, zum Guten lenken will.
Persönlich beten: Gott ist der Vater, zu dem jeder jederzeit mit allen Anliegen kommen kann. Deshalb sollen wir, neben den gewohnten Gebeten, auch persönlich mit Gott und Seinen Heiligen reden lernen, über alles, was uns bewegt.
Gott will, dass wir treu sind: Wir müssen uns, als Zeichen unserer Gottesliebe, mühen, Seine Gebote zu halten und als Ordenschristen auch die Gelübde und Ordensregel treu beobachten. Denn Jesus sagt uns: “Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt.“ (Joh.14,21).
Die Armut: Die einfache Lebenshaltung schätzen: Der Hl. Eymard schreibt: „ Je ärmer jemand ist, desto mehr Recht hat er auf das göttliche Heil und Barmherzigkeit." Aufgrund der anfänglichen Schuldenlast und Not war sogar bittere Armut sozusagen der Kongregation in die Wiege gelegt. Aber auch wir werden immer wieder zum einfachen Leben aufgefordert aus Gründen der Gesundheit, des Umweltschutzes und der Solidarität mit den Armen. M. Theresia sagte ihren Töchtern: „Die Braut Christi darf nicht reich und bequem leben.“
Denn diese Armut ist Nachfolge Christi, der für uns arm geworden ist und — das ist der springende Punkt — Armut will von ängstlicher Sorge befeien und zum Vertrauen auf Gottes Vorsehung ermutigen — auch zu Gottes Vorsehung auf die Fürsprache der Heiligen.
Und dieses Vertrauen, um das wir auch immer wieder beten sollen, ist ein ganz besonderes Vermächtnis der M. Theresia. Die Chronik des Ordens weiß um verschiedenste und ganz erstaunliche Gebetserhörungen der Gründerin auf die Fürsprache der Heiligen, besonders des Hl. Josef, weil sie wirklich ein unverschämtes Gottvertrauen hatte. Dass ihre Schwestern ihr darin nicht nachstanden, möchte ich Ihnen im Originaltext aus der Chronik vorlesen:


Wir sehen, was Vertrauen bewirken kann — auch in unserem Leben. Denn Gott erhört jedes Gebet, aber zur rechten Zeit und auf Seine Weise, so wie auch Eltern bei bestem Willen nicht alle Wünsche ihrer Kinder so erfüllen können, wie diese es gern hätten. Aber dann gibt Er ganz sicher die Kraft, das entsprechende Kreuz anzunehmen und zu tragen zur Erlösung und Heiligung von uns und vielen anderen.

Das hat auch M. Theresia bei vielen Krankheiten erfahren, nicht zuletzt in den letzten 30 Jahren ihres Lebens, bis zu ihrem Tod am 4. Juni 1977. Denn seit der Karwoche 1948 war sie völlig erblindet und trug dieses Leid standhaft ergeben und mit innerer Freude wie ihr Lieblingsgebet zeigt: „Herr, du weißt warum und ich weiß, dass du gut bist, das genügt mir.“


Wir feiern mit den Immakulataschwestern das 75-jährige Bestehen ihrer Kongregation und danken mit ihnen für alles, was in dieser langen Zeit von den Schwestern zur Ehre Gottes und zum Wohl und Heil vieler Menschen geleistet, gebetet und gelitten wurde. Mit den Schwestern dürfen wir also auch Gott und der Gottesmutter auch für diese große Frau Mutter Maria Theresia, danken, und, so meine ich, auch jedes von uns sollte etwas von ihrem Geist übernehmen: ihren Glauben, ihr Beten, ihre Treue, ihr Liebe zur Armut, ihr Vertrauen in allen Nöten und ihre Ergebenheit im Leid. Denn wir alle wollen doch immer neu auf Gottes Willen antworten wie die Jungfrau und Gottesmutter Maria: „ Siehe, ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Wort!“