85 Jahre St.Johann in Zußdorf und 70 Jahre St.Konrad in Haslach

„Hinter allem Geschehen steht Gott – und was Gott tut, das ist wohlgetan“

Mit diesem Einleitungssatz und Programm unserer Gründerin, Mutter Maria Theresia Hecht, möchte ich einen kurzen Überblick über die Geschichte ihres Lebens und der Entstehung unserer Gemeinschaft, der Immakulataschwestern vom seraphischen Apostolat, geben.

Anna Hecht vertraute sich ganz dem Willen Gottes und seiner Vorsehung an und fuhr am 13. Oktober 1928 nach Brandenburg. Dabei kam sie der Bitte des Franziskaners, Pater Rochus Schamoni nach, der 1927 mit Hilfe des Vereins „Erholungsheim Schloss Brandenburg“, ohne Eigenkapital das baufällige Schloss in Regglisweiler – Brandenburg kaufte, um dort eine Schwesterngemeinschaft zu Ehren der unbefleckt empfangenen Gottesmutter Maria zu gründen.

Anna Hecht, die gerade einen beruflichen Wechsel vornehmen wollte, erkannte in der Bitte den Willen Gottes und änderte ihre privaten Pläne. Die Schulden des Schlosses sollten durch eine Erholungsstätte und einen Passantenbetrieb getilgt werden. Anna Hecht, die eine qualifizierte Ausbildung dafür hatte, sollte die Geschäftsbücher in Ordnung bringen. Bereits am 5. November 1928 wurde mit Exerzitien begonnen.

Mehrere junge Frauen mit gleichem religiösem Ansinnen sammelten sich um Anna Hecht und wurden am 1. Juni 1929 in den Dritten Orden des Heiligen Franziskus aufgenommen. Anna Hecht wurde zur Oberin gewählt und erhielt den Ordensnamen Theresia.

„Aus tiefstem Herzen wünsche ich allen ein treues Getragen sein von Gottes Vatergüte und ein Höchstmaß von Gottesliebe und Treue.“

Zu Beginn des Jahres 1929 wurde Pater Rochus Schamoni vom Franziskanerkloster Ulm versetzt und bekam die Auflage, dass er in Brandenburg nicht mehr mitwirken dürfe. Der Grund war, dass er ohne Wissen seiner Ordensgemeinschaft das Schloss Brandenburg erworben hatte, um die Schwesterngemeinschaft zu gründen. Ab diesem Zeitpunkt war Mutter Maria Theresia auf sich gestellt.

Aufgrund der übernommenen schweren Schuldenlast litten die Schwestern jahrelang bitter unter Armut, Not, Entbehrungen und Unsicherheit. Das wenige das sie selber hatten, teilten sie mit Menschen, deren Not noch größer war als die ihrige.

„Alles verlief bisher gut, man kann daher schon annehmen, dass Gott es so will.
Wie gut ist doch Gott mit uns!“

Mutter Maria Theresia musste sich manch verzweifelten Situationen stellen. Innere und äußere Schwierigkeiten blieben nicht aus und rüttelten an der jungen Gemeinschaft. Auf sie kam es an. Mut, Risikobereitschaft und Tatkraft waren gefordert, um der Gemeinschaft voranzugehen. Mit Klugheit und Wachsamkeit hielt sie den Wirrnissen der Zeit, dem Nationalsozialismus und dessen Herausforderungen an ihr Werk stand.

Am 31. Mai 1933 bekamen die Schwestern eine Ordenstracht und dieser Tag gilt als Gründungstag unserer Gemeinschaft.

„Den Ärmsten der Armen zu dienen“, das war die Devise von Mutter Maria Theresia Hecht.

Die Not in den Kriegsjahren war groß und das Mutterhaus in Brandenburg noch nicht gefestigt. Doch das Herz von Mutter Maria Theresia war weit und fremdes Leid konnte sie nicht unbeantwortet lassen.

So begann sie mit Schwestern im Jahr 1933 – 1946 im Herz-Jesu-Heim in Heimenkirch zu wirken, das in der Kriegszeit als Lazarett genutzt wurde.

Im Jahr 1935 übernahm sie das im Rohbau befindliche Krankenhaus in Zußdorf.

Von 1946 – 1956 betreuten die Schwestern in Gutenzell Flüchtlingskinder.

Mit dem Kauf der Brauerei Hofer in Haslach eröffneten die Schwestern 1950 eine weitere Filiale.

Kinder und Jugendliche fanden nach der Renovierung des baufälligen Schlosses in Heudorf ab 1956 eine Heimat.

Gehen wir ein wenig in die Geschichte der Einrichtungen Zussdorf und Haslach ein:

Caritasdirektor Dr. Johannes Straubinger, ein Verwandter unserer verstorbenen Sr. M. Armella Hansler, schätzte die neue Gemeinschaft sehr. Er schenkte Mutter Maria Theresia das im Rohbau befindliche Krankenhaus in Zußdorf.

Wir lesen in der Chronik, unter welch schwierigen Bedingungen die Schwestern dort eingezogen sind. Sie mussten von Haus zu Haus betteln gehen, um die Ausstattung, den Ausbau des Hauses und die eigene Versorgung um das tägliche Überleben zu sichern. Die Unterstützung der Bevölkerung war großartig. Dorfleute kamen und boten ihre Hilfe an, unerwartet standen Lebensmittel und andere Dinge vor der Tür. Mutter Maria Theresia sah in allem die Vorsehung Gottes, der sie sich blind ausliefern konnte.

Die Einrichtung St. Johann in Zußdorf
war zu Beginn Krankenhaus, dann Exerzitienhaus, Müttererholungsstätte und Heilstätte für Tbc-kranke Männer und Kinder. Ab 1958 wurden Kinder und Jugendliche mit geistiger und mehrfacher Behinderung betreut.

St. Konrad in Haslach wurde 1950
von den Schwestern gekauft. Das Hofer´sche Anwesen sollte den ausgeschulten Jugendlichen von Gutenzell Ausbildungs-, Arbeits-, und Wohnplätze bieten. Das Haus wurde zur Heimat für körperlich und geistig behinderte Kinder und Jugendliche. Dazu wurde eine Schule für Lernbehinderte angegliedert.

Seit 1985 bietet die Einrichtung Lebensraum für erwachsene Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung.

„… und St. Josef, unser treuer Hausvater, verlässt uns in der Notzeit bestimmt nicht.“

Mutter Maria Theresia vertraute sich der Hilfe Gottes und der Heiligen an. Maria wurde zur Patronin der Gemeinschaft und der Heilige Josef ihr „Hausherr“.

Ihr fester Glaube an die Vorsehung Gottes und ihr unerschütterliches Gottvertrauen gaben ihr Kraft und Mut, die Hindernisse zu bewältigen und in Treue den Weg zu gehen. Sie wusste sich getragen von der Vatergüte Gottes.

„Nichts kann geschehen was der allwissende Gott nicht vorausgesehen, der allweise Gott nicht zu unserem Besten erwogen hat und der allgütige Gott für uns zulässt.“

Wir schauen zurück zu den Quellen und dem tragenden Grund einer Entstehungsgeschichte und zugleich lässt dieser Blick Wege nach vorne entstehen. Und wir stellen fest, damals wie heute braucht es zündende Ideen und Visionen, um etwas auf den Weg zu bringen. Es braucht Mut, Tapferkeit und Entschiedenheit.

Es braucht eine große Portion Wagemut und Risikobereitschaft. Und es braucht Menschen, die sich begeistern lassen und andere begeistern können, die allen Widerständen und Problemen ein mutiges „es lohnt sich“ dagegensetzen.

Und ganz sicher braucht es auch heute den tragenden Grund auf dem auf dem alles weiterwachsen, reifen und sich entfalten kann: ein unerschütterliches Gottvertrauen.

Sr.M.Felicitas Trück
Formationsleiterin
Homepage und Öffentlichkeitsarbeit
im Kloster Brandenburg

Fettgedruckte Überschriften sind Originalaussagen von Mutter Maria Theresia, entnommen aus ihren Briefen an die Schwestern aus den Jahren 1939 – 1946.

Im Mutterhaus Kloster Brandenburg befindet sich eine Dauerausstellung über Mutter Maria Theresia Hecht und die Entstehung unserer Gemeinschaft.
Herzliche Einladung, wenn Sie mehr Informationen erfahren möchten.